Das zweite Trauerjahr – Das Spiel verändert sich
Shownotes
Das erste Jahr irgendwie überstehen – und dann? Kim ist im zweiten Trauerjahr und merkt: Vieles fühlt sich anders an als am Anfang. Schöne Erinnerungen geben wieder Kraft, Freude bekommt mehr Platz. Gleichzeitig tauchen neue Trigger auf, und schlechte Tage können überraschend schwer sein.
Wir sprechen darüber, was sich nach dem ersten Jahr verändert, warum Trauer keine Ziellinie hat und wie langsam das Vertrauen wächst, auch mit unerwarteten Herausforderungen umgehen zu können.
Das Spiel wird nicht unbedingt leichter – aber wir lernen, es anders zu spielen.
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Transkript anzeigen
00:00:06: Also über das erste Jahr der Trauer wird ja wahnsinnig viel gesprochen.
00:00:10: Wenn man über Geburtstage nachdenkt, Feiertage Weihnachten, Jahrestage und so weiter aber über das zweite Jahr des Trauers hat man dann doch irgendwie erstaunlich wenig.
00:00:23: dabei habe ich den Eindruck dass gerade da bei dir einige Dinge passiert sind mit denen du vielleicht nicht gerechnet hast.
00:00:29: Kann das sein?
00:00:30: Total.
00:00:31: Und bei mir war es tatsächlich so, dass ich schon relativ früh in der Trauer, schon im ersten Jahr viel von anderen Trauerinnen über das zweite Trauerjahr gehört habe.
00:00:41: Und da meistens ... Ja, das zweite Jahr ist schlimmer als das erste Jahr.
00:00:46: Das wurde mir irgendwie ständig gesagt.
00:00:49: Ist schlimmer!
00:00:50: Was hättest du denn vor einem Jahr quasi gedacht wie das zweite Träuerjahre ist?
00:00:55: Was hattest du erwartet und wie ist es jetzt?
00:00:57: Ich konnte mir im ersten Jahr glaube ich gar nicht so richtig vorstellen, dass es überhaupt ein zweites Jahr und dann ganz viele Jahre danach gibt.
00:01:05: Weil ich so beschäftigt damit war das erste Jahr zu überstehen und diese Zielmarke zu erreichen.
00:01:13: Eine Zielmarcke?
00:01:13: Inwiefern war das eine Zielmarque?
00:01:16: Ja also irgendwie wenn ich jetzt darüber nachdenke habe ich wirklich immer gedacht Ich muss das erste Jahr schaffen, den ersten Jahrestag rumkriegen.
00:01:27: Und in meinem Kopf war es irgendwie ... Ja, das war wie so ein Ziel und ich hab gar nicht wirklich weiter gedacht.
00:01:35: Als dann der erste Jahristag um war und ich dann ja jetzt offensichtlich im zweiten Jahr bin, jetzt kam dann die Realisation.
00:01:44: Das geht halt eigentlich für immer so weiter.
00:01:47: Mhm.
00:01:48: Genau wir sind jetzt ... Achtzehn Monate ungefähr?
00:01:53: Also es hilft Menschen grundsätzlich, glaube ich wenn Dinge irgendwie in kleine Einheiten unterteilt werden.
00:01:59: Sei's in Jahre, in irgendwelche messbaren Dinge.
00:02:03: und das erste Trauer ja genau.
00:02:06: Es gibt ja Rituale dazu dass man da schwarz tragen darf und so.
00:02:09: Und dabei ist sie eigentlich total random.
00:02:10: Das sind ja nur dreihundertfünfundsechzig Tage.
00:02:12: Warum sollte sich Trauer an irgendwie an drehundert fünfundsechszig Tage halten oder?
00:02:17: Ja total!
00:02:19: Jetzt denke ich das auch, klar.
00:02:21: Aber in diesem Jahr hat mir das Video gesagt hast du geholfen irgendwie das einzuteilen und zu wissen okay ich habe irgendwie ein Ziel Ich kann irgendwie einen Fortschritt machen jeden Tag bis dieses Jahr rum ist Und jetzt im zweiten Jahr und auch ja schon einige Monate im zweiten rückblickend denke ich mehr.
00:02:40: natürlich kommt dann an diesem Tag, wird nicht auf einmal alles anders oder leichter oder schwerer.
00:02:47: Wie das ja auch viele vorausgesagt haben, sondern es wird halt anders.
00:02:51: aber eigentlich ist diese Zielmarke oder dieses eine Jahr, dieses Trauer total random oder aus irgendwelchen alten Bräuchen oder gesellschaftlichen Erwartungen einfach noch übrig geblieben?
00:03:04: Ja Es ist nicht magischerweise dann irgendwas nach einem Jahr passiert, dass sich komplett anders angefühlt hat.
00:03:10: Aber dennoch hast du gesagt im ersten Jahr warst du mit überleben beschäftigt irgendwie durchhalten bis gab es denn da zumindest einen Moment unabhängig von Kalendardaten wo du gemerkt hast?
00:03:22: Dieser Überlebensmodus geht jetzt langsam raus.
00:03:24: Irgendwas ändert sich
00:03:26: Ja schon.
00:03:27: also es gab glaube ich so nach drei vier Monaten Ich kann das gar nicht so ganz genau sagen, weil ich auch jetzt rückblickend sehe dass sich ganz viel im ersten Jahr da kann ich mich gar nicht mehr so gut daran erinnern.
00:03:38: Das ist glaube ich wirklich noch so ein Schutzmechanismus.
00:03:41: aber... ...ich weiß es gab einen Punkt wo ich mal wieder so richtig gelacht habe oder wo ich mich mal über was richtig gefreut habe oder auf etwas gefreuthabe und das hab' ich dann schon sehr bewusst wahrgenommen und dachte so Boah ja jetzt kannst du dich gerade wirklich über- oder auf-etwas anderes freuen und das ist total gut und schön gerade.
00:04:02: Ja, ich erinnere mich, wir haben auch hier... also wir haben sowieso darüber gesprochen.
00:04:06: aber wir haben im Podcast drüber gesprochen dass man wieder feiern geht zum Beispiel oder eine Art von Freude empfindet.
00:04:13: da haben wir drüber gesprochen.
00:04:14: es ist dann auch gleichzeitig ein schlechtes Gefühl auslöst.
00:04:16: aber ja wie wird's beschreiben?
00:04:19: Was sind das für Phasen?
00:04:20: oder wie steht man denn da wenn man plötzlich wieder gelacht hat oder so was?
00:04:25: Und was ist da anders?
00:04:26: zum Überlebensmodus?
00:04:27: Ja, also das war wirklich wieder dieses Ambivalente.
00:04:30: Also auf der einen Seite natürlich positiv.
00:04:33: Es ist ja auch eine positive Emotion und man kann auch mal an was anderes denken.
00:04:39: Und auf der anderen Seite dann aber auch wirklich direkt wieder dieses, was du auch gesagt hast, schlecht fühlen.
00:04:43: darf ich das überhaupt?
00:04:44: Wieso geht das jetzt?
00:04:46: Also ganz, ganz ambivalent!
00:04:49: Da kann ich jetzt auf jeden Fall im zweiten Jahr sagen, ist es ein bisschen anders geworden... Jetzt habe viel mehr gute Momente.
00:04:59: Und jetzt fühle ich mich aber auch nicht mehr so schlecht
00:05:03: dabei.".
00:05:26: Gewöhnung trifft es vielleicht sogar noch besser.
00:05:28: Also ich glaube, dass das Hirn auch wirklich eine lange Zeit braucht um sich an die Abwesenheit einer Person zu gewöhnen.
00:05:36: und inzwischen würde ich sagen lebe ich ja schon knapp achtzehn Monate damit und ich habe mich auf ne Art daran gewöhnt, dass ich li nicht sehe und dass li nicht hier physisch bei mir ist.
00:05:50: und gleichzeitig hab ich ganz stark ... das Gefühl, dass er immer noch ganz doll bei mir ist und ich ganz viele Sachen Eigenschaften von ihm so in mir trage.
00:06:04: Und ... Das ist ein Zustand an den habe ich mich jetzt gewöhnt wie eine Baseline meistens.
00:06:11: Deshalb ist auch wieder mehr Platz da für positive Sachen.
00:06:15: Dieses Negative dieser Schmerz dieses Vermissen gibt es natürlich immer noch aber das ist schon wie integriert in meinen Grundzustand.
00:06:25: Ja, du hast erst gestern gesagt irgendwie Du weißt eigentlich geht es mir gut aber also Straße manchmal vermisse ich ihn einfach.
00:06:32: ja
00:06:33: total und das ist auch würde ich sagen echt ein großer Unterschied zwischen ersten und zweiten Jahr.
00:06:39: im ersten jahr habe ich das Gefühl meine baseline oder mein Grundlevel war viel niedriger im Grunde genommen echt in so einem Dauer-Tief.
00:06:50: Und wenn es da dann noch richtig schlechte Tage gab, war die Fallhöhe nicht so hoch?
00:06:55: Dann war's halt von minus eins zu minus zehn nochmal, aber die Fallhöhe waren nicht so groß und jetzt bin ich eigentlich vom Grundlevel höher.
00:07:06: also meine Grundstimmung ist besser.
00:07:08: und wenn jetzt aber wirklich mal ein schlechter Tag oder eine schlechte Phase kommt, dann ist die Fallhohe gerade viel, viel.
00:07:15: größer für mich.
00:07:17: Ja, die Amplitude wird halt größer in der man sich wieder bewegt oder sich man sich traut zu bewegen wahrscheinlich.
00:07:23: und wie sind denn diese Momente der Trauer heute wirklichen mit früher?
00:07:27: Also wenn du gestern einfach so einen Trauermoment hast oder in der letzten Zeit mal hattest gibt es eine Veränderung
00:07:34: ja auch das ist aber wieder ganz ambivalent.
00:07:37: also Auf der einen Seite hatte ich dir ja auch schon mal erzählt, bei mir fühlt es sich fast so an als ob ich so ein Trauermuskel aufgebaut habe.
00:07:47: Und im ersten Jahr war er praktisch ja ständig aktiv.
00:07:51: also ich war ständig damit beschäftigt zu verarbeiten und zu fühlen und zu trauern und dieser Traumuskel war extrem beansprucht.
00:07:59: und jetzt im zweiten Jahr hab' ich das Gefühl der ist teilweise nicht mehr so trainiert.
00:08:05: Und wenn ich ihn jetzt wieder beanspruchen muss, dann ist es extrem anstrengend und schmerzhaft.
00:08:10: Das ist die eine Ausprägung von der anderen.
00:08:15: Ich finde auch, man kann sich das besser vorstellen oder so stelle ich mir das wirklich vor?
00:08:22: Auf der anderen Seite gibt es aber auch Tage wie zum Beispiel gestern wo ich grundsätzlich gut drauf bin Morgens ein Moment, ich wach auf.
00:08:31: Ich vermisse Lie, guck mir Fotos an und schaffe es aber trotzdem das so in meinen Tag zu integrieren und zu sagen ja natürlich vermisse ich mein Mann ist ja klar Es zieht mich dann doch nicht runter.
00:08:41: also ich kann relativ schnell aus diesem Moment wieder raus Und mich wieder auf positive Sachen fokussieren.
00:08:48: Das kommt glaube auch auf meine Tagesform an vielleicht auch was die letzten Tage los war Was generell gerade im Leben los ist und es kann entweder ein sehr tiefer Fall sein Oder es kann ein kleiner Dipp sein, aus dem ich mich schnell wieder rausziehen kann.
00:09:05: Ja das klingt aber super unvorhersehbar.
00:09:07: Ob's jetzt der kleine Dipp ist oder ob das jetzt der Roundhouse Kick in deinem Gesicht ist.
00:09:12: Wer dich richtig nach unten zieht für dich trifft und sehr schwer wiegt ... Oder wie fühlt sich das an?
00:09:20: Ich kann mir vorstellen, dass das eine Großgefühl der Unsicherheit auch sein muss.
00:09:24: Das würde man meinen... Hört sich auch total logisch an, wenn du das beschreibst.
00:09:29: Aber in meinem ... Aus meiner Perspektive ist es, ich kann es gut einschätzen.
00:09:33: Ich hab ein gutes Gefühl dafür.
00:09:34: Ist das jetzt?
00:09:36: Das macht auf jeden Fall einen großen Unterschied.
00:09:39: Das zieht deinen gesamten Tag runter.
00:09:41: Da kannst du heute nichts weiter großartig planen oder so.
00:09:45: Oder ist das ein Dip und du kommst schnell wieder raus.
00:09:47: Irgendwie kann ich das intuitiv ganz gut einordnen.
00:09:51: Was wird das gerade hier finden?
00:09:52: Dip oder ein tiefer Fall?
00:09:54: Das ist vielleicht auch Teil des Trauermuskels, dass man einfach die Fähigkeit besitzt.
00:09:58: Einfach weil man sich so stark mit seiner Emotion und seinem Sein auseinandergesetzt hat in der letzten Zeit, das man da mehr gelernt hat über sich, oder?
00:10:06: Sehr!
00:10:06: Und da fällt mir gerade zu einem, dass ich inzwischen wirklich gut klaren klingt jetzt doof, aber ich kann gut voraussehen... Ist es jetzt gerade ein Fall von Ich kann zum Baum fahren, ich kann dort sein Einmal alles raushäulen und dann ist es okay.
00:10:23: Das wäre eher bei so einem Dip der Fall.
00:10:25: oder es ist ein längerer Prozess, einmal kurz weinen in Anführungsstrichen jetzt natürliches Überspitz dargestellt.
00:10:32: Reicht da nicht?
00:10:33: Weil's gibt solche Tage!
00:10:34: Da muss das einmal raus, da muss als einmal rausgeheult, rausgeschrien werden... Und es gibt Tage, dass da hält das einfach länger an und das ist nicht unbedingt was, was sich vielleicht aufgestaut hat und einmal raus muss sondern das ist
00:10:46: eine richtige Stimmung einfach.
00:10:48: Genau, eine längere Stimmung die auch jetzt nicht schnell wieder weggeht.
00:10:51: Ist denn eigentlich so dass diese Erinnerungsmomente an Lee sind die nach achtzehn Monaten immer noch andere?
00:10:59: Also ändert sich das ständig immer noch.
00:11:01: oder wie kehren sie wieder?
00:11:03: Es kommt drauf an.
00:11:04: also ich würde sagen zum Großteil kommen immer sehr schöne Erinnerungen und auch teilweise lustige Erinnerung.
00:11:12: Und es kommt immer total auch drauf an, mit wem ich mich vielleicht gerade über Lee unterhalte.
00:11:16: Mit wem Ich Zeit verbringe wo ich Zeit verbringen das dann auch bestimmte Redewendungen die er vielleicht jetzt gesagt hätte oder so.
00:11:25: Das hatte ich letztens mit seinem besten Freund und Hat ja irgendwie was gesagt.
00:11:30: was li jetzt in einer bestimmten Situation sagen würde was sich gar nicht mehr So auf dem schirm hatte.
00:11:33: und dann dachte ich so oh mein Gott Ja stimmt das hätte der auf jeden Fall gesagt Es gibt solche Momente.
00:11:39: ich muss aber auch sagen dass Häufig, gerade wenn es mir grundsätzlich nicht gut geht.
00:11:46: Das sind ja eigentlich keine Erinnerungen das ich so wie Flashbacks bekomme zu dem Unfall bei dem ich natürlich nicht dabei war dass sich dann wieso Bilder im Kopf kriege die dann hochkommen?
00:11:55: Wie war das?
00:11:55: ne?
00:11:56: Wie ist das alles passiert?
00:11:57: Wie hat er sich gefühlt?
00:11:58: also das ist wirklich sehr gemischt.
00:12:01: Dass da positive Elemente dabei sind... Ist das was Neues?
00:12:05: Dass du auch an Erinnerung hast die dich nicht immer irgendwie tendenziell nach unten ziehen oder die dich jetzt auch vielleicht sogar stärker eher ein bisschen beflügeln oder aufmunt kann man das so sagen?
00:12:17: Ja, das ist total die schöne Beobachtung.
00:12:19: Das stimmt.
00:12:19: also es sind auf jeden Fall mehr positive Erinnerungen und ich hatte teilweise im ersten Jahr auch so dass sich mir nicht immer Bilder angucken konnte oder nicht Videos oder ganz gezielt das dann für mich gemacht habe wenn ich praktisch die Kraft und die Kapazität dafür hatte.
00:12:35: Heute kommen halt viele positive Erinnerungen hoch und dann gucke ich mir auch gerne einfach noch mal so ein Bild an.
00:12:41: Gar nicht aus so einer Melancholie, sondern einfach weil ich mich freue, weil das auch so ein schöner Mensch ist und der so ein schönes Lächeln hat und ich dann so bewusst auch in diese Momente nochmal zurück gehe.
00:12:51: Wenn wir halt schöne Urlaube gemacht haben oder schöne Momente einfach zusammen erlebt haben und es total die Kraftquelle.
00:13:00: Ich bin ja auch irgendwie anscheinend hier Podcast der Mensch für die schlechten Analogien.
00:13:05: Es klingt, es klingt für mich jetzt gerade wie du's beschreibst bisschen ähnlich wie so ein Video Spiel oder sowas in der Art wo man halt quasi einen Level schafft und dann was anderes freischaltet weißt du?
00:13:18: Du kannst das aber erst wenn du den ersten Level gemacht hast oder so eine Art ist das wieder total scheiß oder...
00:13:25: Nein überhaupt nicht!
00:13:27: Ich finde das eigentlich total passend.
00:13:29: also ich hatte ja mal von dieser Zwiebel-Analogie gesprochen.
00:13:34: Also die neuen Schichten kommen erst dann, wenn die anderen verarbeitet sind oder sich abgepellt haben?
00:13:43: Oder wie du sagst im Videospiel man muss halt erst ein Level schaffen bis man ins nächste kommt, glaube ich sehr ähnlich.
00:13:50: Fähigkeit freispielen auch... Man kann plötzlich Sachen in meinen Feuern nicht unbedingt konto.
00:13:56: Das auf jeden Fall, aber das geht auch in die andere Richtung, in die negative Richtung und zwar dass auf einmal Schichten oder Levels kommen, die man vielleicht gar nicht erwartet hat und die man auch nicht will, die nicht wünschenswert sind.
00:14:09: Das ist wirklich auch wieder überraschend und das habe ich nicht nur bei mir festgestellt sondern auch wieder einem Austausch mit anderen Trauernden.
00:14:20: Man hat es jetzt verstanden, wie das Ganze funktioniert und jetzt ändern sich die Regeln wieder.
00:14:27: Ich hatte im ersten Jahr eigentlich gar kein Problem Feuer zu sehen in Filmen oder Serien oder irgendwas auch unabhängig von Autounfällen.
00:14:37: also wirklich einfach Feuer war überhaupt kein Problem.
00:14:40: Und jetzt plötzlich ich sehe Feuer.
00:14:42: ich habe letztens von paar Monaten das Wort Osterfeuer gelesen.
00:14:47: Auf einmal bin ich total in so einem Flashback drin.
00:14:50: Also das bringt mich dann total zu diesem Autounfall.
00:14:53: brennendes Auto, das gab's vorher nicht!
00:14:56: Das ist neu und... Ich hab auch eine Freundin bei der es ist ähnlich wenn die sich Serien anguckt mit Krankenhausbezug oder sowas.
00:15:04: Das war im ersten Jahr kein Problem.
00:15:06: jetzt im zweiten Jahr aufgrund der persönlichen Geschichte totaler Trigger also total.. Es geht nicht und das ist total unerwartet macht das Ganze wieder sehr unvorhersehbar.
00:15:21: Ja, da zeigen sich plötzlich Dinge mit denen man auch wiederum nicht rechnet.
00:15:26: Auch wieder ein bisschen wie deine Zwiebelanalogie.
00:15:28: Genau!
00:15:29: Oder deine Level-Analogie...
00:15:33: Mein Ableveling?
00:15:34: Genau und das ist aber dann irgendwie ein doofes Up-Leveling also einen Down-Levelling vielleicht ich weiß es nicht Aber man denkt man hat's verstanden Und jetzt ändern sich nochmal die Sachen irgendwie.
00:15:48: Und ich stell mir das halt so vor, wir sind jetzt von dem ersten Jahr was ja dann doch sehr ritualisiert ist.
00:15:53: Wo auch die, ich sag mal die Betreuungsdichte um dich herum sehr stark ist und war und du sehr viel auch um die traurige Kreis bis dein Umfeld mit dir um die Trauer gekreist ist und man dann jetzt plötzlich im Jahr zwei da steht und dass vielleicht nicht mehr so ist.
00:16:09: Ich hab mich auch mit vielen anderen Trauerenden über dieses Thema zweites Jahr, wie verändert sich das ausgetauscht?
00:16:15: Und da kam viel auch ... Das was du gerade ansprichst.
00:16:19: Dieses Umfeld verändert sich.
00:16:22: Die Leute schicken vielleicht weniger Nachrichten oder vergessen mal einen Geburtstag oder ein Jahrestag oder melden sich weniger fragt weniger nach.
00:16:31: Ich muss sagen dass ich das in meinem Umfeld nicht unbedingt habe.
00:16:36: also natürlich Schreibt mir nicht jede Person immer noch in der gleichen Frequenz wie vorher, aber ich sage immer die wichtigen Leute oder die Leute wo.
00:16:47: ich weiß wir haben das immer auf dem Schirm.
00:16:50: Das hat sich überhaupt nicht verändert und ich habe inzwischen auch gelernt dass natürlich das Leben von allen anderen Leuten weitergeht und dass ich aber auch gezielt nach Hilfe oder Unterstützung fragen kann wenn ich das Gefühl habe Ich bin jetzt gerade alleine oder auch andere Leute.
00:17:07: Ich hab ja ganz tolle Freundinnen kennengelernt über die Trauer und das verändert sich?
00:17:13: aber es muss nicht unbedingt negativ sein, zumindest in meiner Erfahrung.
00:17:16: Aber ich hab von anderen Leuten wie gesagt anderes gehört.
00:17:19: Noch hast du gesagt, es geht ja vielen anders oder viele Berichten, dass das anders ist.
00:17:24: Das hat hier Umfeld halt so eine Halbwertzeit für Trauer hätte.
00:17:28: also man hat dann auch sagt dieses Wie der Tradition sagt Ja ist doch jetzt rum und wie heißt sich zusammen?
00:17:34: Oder Ist das noch ein Thema oder sowas in der Art?
00:17:37: Das kann Leuten helfen die das empfinden oder die das so durchmachen.
00:17:41: Also dieses, ich hab das wirklich auch häufig gehört dass dann Leute zu der Traum in Person gesagt haben ja ist es wie so eine Grenze.
00:17:51: Es ist jetzt schon über ein Jahr und also geht's dir besser oder immer noch so schlecht?
00:18:00: Ich glaube ganz häufig kommen solche Kommentare von Leuten die halt noch nie so Einverlust erlebt haben und die können das einfach nicht nachempfinden.
00:18:10: Und dann ist es natürlich immer noch mal eine Frage, wie kommuniziert man das?
00:18:13: Wie sozial kompetent ist man irgendwie... Das ist auch nochmal eine Komponente.
00:18:18: Viele Leute haben einfach das Privileg dass sie noch nie so was durchmachen mussten und können sich dementsprechend nicht so indisch hineinversetzen.
00:18:26: Die Person ist immer noch tot Und die Person ist immer noch, die Liebe deines Lebens.
00:18:32: Daran wird sich nichts ändern und wenn ich den Rest meines Lebens deswegen schlecht drauf bin, dann ist das mein gutes
00:18:36: Recht.".
00:18:37: Solche Kommentare muss man sich in dem Moment einfach verknifen oder kann man sich stecken?
00:18:45: Aber ich würde sagen sucht euch auch einen Umfeld ... Oder kickt die Leute aus eurem Umfeld, die solche Sachen sagen oder die das so sehen zum Beispiel andere Trauerende, die das wirklich verstehen.
00:18:58: Weil da wird nie jemand hinterfragen auch nach zehn, fünfzehn wie auch immer, wie vielen Jahren dass es dir noch schlecht geht.
00:19:04: also dass unter Leuten dies verstehen würde so ein Kommentar nicht kommen.
00:19:07: Ja
00:19:07: und das ist glaube ich total entscheidend.
00:19:09: Ich glaube, dass das fast einer der einzigen Wege ist.
00:19:12: Also klar wird man das ein paar mal wegstecken wenn sowas passiert aber dann wäre die Strategie sicher.
00:19:16: Also ich würde das auch glaube ich ähnlich machen wie du vorschlägst, dass man sich den Menschen entzieht und das kann ja im Zweifel auch bedeuten soziales Umfeld komplett ändert, vielleicht auch ein familiäres Umfeld nicht mehr da ist und man dann irgendwie dasteht.
00:19:30: Und das Leben sich dadurch auch noch mal verändert.
00:19:34: Also man selbst auch Veränderung nochmal herbeiführen muss oder es ganz andere Menschen am Ende vielleicht dastehen.
00:19:39: Ich glaube dass das häufig als secondary loss noch bezeichnet wird also dass man praktisch auch andere Leute verliert durch diesen primären Verlust.
00:19:48: Ja, ich glaube.
00:19:49: Ich bin da aber auch sehr streng, weil ich so verwöhnt bin mit meinem Umfeld dass sich sagen würde Leute die So eine Anspruchshaltung haben oder die sich fragen ja jetzt nach einem Jahr warum ist denn es nicht alles wieder gut Weiß ich gar nicht ob ich das als so ein Verlust sehen würde.
00:20:04: Stimmt Hast du manchmal das Gefühl dass Kim heute Eine andere ist als sie gewesen wäre mit Lee?
00:20:14: Ja, ja hundert Prozent
00:20:16: Es hat sich geändert.
00:20:20: Kim heute musste gezwungenermaßen viel mehr Verantwortung übernehmen für ihr Leben und für ihre Emissionsregulationen.
00:20:31: Und für ihre Fähigkeit, Grenzen zu setzen.
00:20:35: Da hatte ich einfach vor, ließ Tod überhaupt nicht so die Notwendigkeit, weil ich ja noch eine zweite Person hatte auf die mich auch in ganz vielen Sachen verlassen konnte muss ich halt viele Sachen, die Limea früher gegeben hat.
00:20:51: Die muss ich mir selber geben und deshalb bin ich glaube... Ich habe ganz viele Fähigkeiten erlernt, die ich erlernen musste weil es anders nicht gegangen wäre.
00:21:05: Hast du auch was wie seitens an dir kennengelernt?
00:21:09: Die vielleicht nur durch den Tod sichtbar geworden sind.
00:21:12: Ja also ich glaube dass ich hätte niemals gewusst wie stark ich sein kann Hätte ich es nicht gemusst und... Ich glaube, dass ich sehr, sehr resilient bin.
00:21:24: Und das hätte ich jetzt vorher auch wahrscheinlich gar nicht so gesehen oder vielleicht diese Resilienz auch gar nicht sehr weiterentwickelt.
00:21:32: Ja also ich glaube das als Beobachter von The Sightlines.
00:21:40: Also das erste Jahr ist zwar vorbei.
00:21:43: du hast gesagt, das war wie ein Ziel für dich das zu überwinden da hinzukommen?
00:21:48: Das Ziel ist ja jetzt hinter dir.
00:21:51: Und ja, es ist dein Ziel jetzt weg.
00:21:55: Hast du ein neues gefasst?
00:21:57: In Bezug auf die Trauer habe ich kein neues Ziel gefasst aber dass dieses Ziel weg ist das war wirklich ein schwieriger Moment für mich als ich das realisiert habe als dieses Jahr um war.
00:22:09: Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen weil es war wirklich auf etwas hinarbeiten.
00:22:19: Ich muss dieses Jahr jetzt durchhalten, ich muss dieses Jahre schaffen.
00:22:23: Und dann die Realisation... Ja du hast es jetzt geschafft!
00:22:27: Du bist durchs Ziel gelaufen und jetzt musst du das für dein ganzes Leben so weiter machen.
00:22:31: Das geht jetzt immer so weiter.
00:22:33: Das war sehr... ja, das war total schwierig.
00:22:39: Es war auf einmal so eine Lehre, so ein... Was?
00:22:43: Und
00:22:43: jetzt?!
00:22:44: Ja, kein Moment eher leichter rum.
00:22:46: Nee!
00:22:46: Eher im Gegenteil dass du sagst ey das ist okay das geht jetzt immer weiter es ist ein Laufrad.
00:22:52: Genau
00:22:52: total.
00:22:54: Wie geht man damit um?
00:22:54: Ich finde ich das ist ein ganz wichtiges.
00:22:56: für mich war das immer total wichtig zu verstehen.
00:22:59: Es geht halt nicht weg es bleibt es transformiert sich meinetwegen aber die Trauer begleitet einem.
00:23:06: Also das war extrem schmerzhaft.
00:23:09: realisieren, dieses Ziel war eigentlich total bescheuert und das wird jetzt einfach für immer so weitergehen.
00:23:14: Aber ich glaube, ich habe dann im Laufe der Zeit gelernt es anzunehmen... Ich hab ja auch keine andere Wahl wenn wir mal ehrlich sind Und zu sagen, ich integriere das ja schon in mein Leben.
00:23:27: Ich hab es auch im ersten Jahr irgendwo in meinem Leben integriert.
00:23:30: Das hatte natürlich viel mehr Platz und Raum aber ... Es ist ein Prozess und wie du sagst, die Trauer verändert sich.
00:23:39: Sie wird nie weg sein!
00:23:41: Und das soll sie natürlich gar nicht.
00:23:44: Ich will nicht dass sie weg ist weil sie ist halt ne?
00:23:47: Ein Zeichen davon... da war und in meinem Leben war, und es geprägt hat.
00:23:53: Sie ist aber gar nicht unbedingt was ... Ich versuch mir dann so vorzustellen, das ist ja gar nicht was Böses oder was Schlimmes.
00:24:01: Es ist im Grunde genommen ein Zeichen von Liebe.
00:24:03: Und dass ich versuche diese Liebe in mein Leben zu integrieren und sie gar nicht so als negativ zu konnotieren sondern zu akzeptieren?
00:24:12: Sie bleibt da!
00:24:13: Wir müssen dieses Leben jetzt irgendwie zusammen verbringen die Trauer und ich.
00:24:16: Und sie darf mich auch nerven und runterziehen.
00:24:19: Ich kann an Tagen wirklich denken, ich will das alles nicht.
00:24:22: Aber es wird nichts an der Situation ändern.
00:24:25: und dann gucke ich auf meine Tattoos.
00:24:28: und lia hat immer gesagt adapt and overcome.
00:24:30: Und ja, ich muss es irgendwie so in mein Leben adaptieren transformieren und weiter machen.
00:24:39: Schön also die Trauer und du und wir haben gerade schon festgestellt dass die Trauern gar nicht so berechenbar ist und dass sie auch manchmal Ja, letztlich Dinge kreiert die auch überraschend sind.
00:24:49: und wir haben gerade schon gesagt manchmal ist es auch positiv.
00:24:51: Man hat die Fähigkeit dass man zum Beispiel sich erinnert und nicht grundtraurig ist sondern machen muss und das ist dann vielleicht gar nicht vorhersehbar.
00:24:59: für jeden ist es wahrscheinlich mit Sicherheit sogar anders wie sich das vollzieht.
00:25:03: aber Das ist auch was, worauf man Hoffnung schaffen kann.
00:25:07: Dass man eigentlich gar nicht genau weiß wie es ist genauso wenig wie man an die Trauerphasen glauben muss sondern dass man einfach sich damit überraschen lassen muss?
00:25:16: Ja ich glaube das ist so und ich würde bewusst gar nicht sagen das erste Jahr wird leichter schwerer besser schlechter als auch immer sondern es wird anders.
00:25:28: Das ist total unbefriedigend für viele Leute weil man möchte gerne eine Orientierung möchte gerne wissen Wie wird es?
00:25:34: Und man möchte sich darauf einstellen können.
00:25:36: Aber die Wahrheit ist individuell und ich glaube, das Beste was man machen kann ist das anzunehmen.
00:25:44: Es wird alles so kommen wie es kommt und diese innere Sicherheit zu haben.
00:25:50: Ich werde in der Lage sein damit umzugehen.
00:25:53: Es wird gute Tage geben und es wird schlechte Tage geben.
00:25:56: Und ich bin aber jetzt am anderen Punkt als ich im ersten Jahr war.
00:25:59: Ich habe Sachen dazu gelernt.
00:26:01: Ich hab Leute dazugewonnen Und ich kann mit dieser Trauer jetzt anders umgehen.
00:26:07: Mit positiven und auch mit negativen Überraschungen.
00:26:12: Es ist das, was du Kim, wenn du vor deinem Selbst vor einem Jahr jetzt stehen könntest, auch sagen würdest?
00:26:19: Das zweite Jahr ist gar nicht nur schlecht... ...das zweite Jahr wird dich überraschen aber es ist nicht nur schlecht!
00:26:25: Genau, es wird dich Überraschen.... Aber du wirst in deiner Person an einem anderen Punkt sein und kannst anders mit Sachen umgehen.
00:26:35: Und kannst auf dich selbst vertrauen, weil ... Das hat meine Therapeutin mir schon sehr früh gesagt.
00:26:41: Der Körper, das Hirn, die Psyche, die Seele lässt in der Regel nur so viel Schmerz zu wie du aushalten kannst.
00:26:49: Ich glaube, dass es wirklich auch so ist.
00:26:52: Es gibt Tage, die sind total überfordernd und schmerzhaft und scheiße aber wir können damit umgehen.
00:27:00: Wir sind dazu ausgestattet, damit umzugehen.
00:27:03: Und auch wenn es sich nicht so anfühlt wird es auch Tage geben die wieder anders sind und im ersten Jahr ist mir das häufig sehr schwer gefallen überhaupt ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen und dass jetzt im zweiten Jahr anders.
00:27:13: ich weiß dieser Tag dieser Moment ist super beschissen und Ich will das alles nicht mehr aber ich weiß auch Es wird wieder andere Momente geben und darauf kann ich vertrauen.
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